Lars Reineke

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Schluss mit Selbstvermessung

Heute habe ich die Verbindung zu meinem Whoop-Band getrennt und meine Mitgliedschaft gekündigt.

Am Anfang war ich noch einigermaßen fasziniert, was man sich mit so einem Armband alles zusammenrechnen lassen kann. Tatsächlich war Whoop das erste Wearable, das ich hatte, was Fahrradfahren (zumindest nach einiger Zeit) korrekt als Aktivität erkannt hat.

Mittlerweile geht mir das Ding aber immer mehr auf die Nerven. Wenn ich mal einen Tag im Homeoffice verbringe und dadurch, dass ich von einem Video-Termin zum nächsten springe, durchaus gestresst bin, dann will ich mir nicht noch nach Feierabend von einer App sagen lassen, dass ich mein Schrittziel nicht erreicht habe.

Und wenn ich nach 'nem aufreibenden Tag nicht gut einschlafen kann und auf eine Schlafdauer von nur 4-5 Stunden komme, ist es auch keine Hilfe, wenn die App mir erzählt, dass ich nicht vollständig erholt bin.

No shit, Sherlock, da wäre ich wohl auch noch selbst drauf gekommen.

Schließlich fing nun auch noch das Armband an zu drücken und gelegentlich leicht zu kratzen, wahrscheinlich, weil es jetzt ab und zu mal kälter wird und ich nicht mehr mit kurzen Ärmeln herumlaufe. Und das kann ich beim besten Willen nicht haben, schon gar nicht nachts.

Eigentlich hat mich das schon länger gestört, nachts irgendwas Enges um mein Handgelenk zu tragen, weil ich auch meine Armbanduhr immer zum Schlafen abnehme.

So richtig nervig war aber, dass mir das Ding gelegentlich Abweichungen vom Durchschnittswert angezeigt hat, ohne dass ich damit irgendwas anfangen konnte.

"Deine Hauttemperatur liegt über deinem normalen Bereich. Gründe für eine erhöhte Hauttemperatur können unter anderem sein:

— Ein Mikroklima, das durch einen Ärmel oder eine externe Wärmequelle während des Schlafs entsteht — Dein Körper kämpft mit einer Krankheit — Übermäßige Hitzeeinwirkung — Eine Veränderung der WHOOP-Position an deinem Körper"

Ja, klasse, entweder habe ich irgendeine Krankheit, Hodenkrebs, Schwangerschaft, Menopause, weiß man nicht. Oder das olle Band ist halt verrutscht, kommt auch vor. Nee, Leute, das sind dann Informationen, auf die ich dankend verzichte.

Das ganze Teil basiert auf einem Abomodell, und ich habe eigentlich erst ein Drittel des inkludierten Jahres rum. Das ist zwar etwas ärgerlich, zumal diese Bänder gebraucht kaum zu verkaufen sind. Aber wenn die Nachteile so deutlich überwiegen und ich keinen echten Nutzen mehr davon habe, ist das eben so.

Jetzt ist Schluss mit der Selbstvermessung. Alle paar Tage auf die Waage muss reichen.

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Sonntag, 14. September 2025

Das Wochenende war ziemlich ereignisreich. Am Freitag ging's auf ein Death-Metal-Konzert, die niederländische Band "Asphyx" spielten in Bad Oeynhausen. Und es war sehr geil.

Der Sound war fantastisch, die Band rund um den sehr witzigen Sänger Martin van Drunen hatte beste Laune, und das übertrug sich unmittelbar auf das überaus angenehme Publikum.

Dass Zuschauer*innen auf Metalkonzerten als besonders friedlich und umgänglich gelten, ist ja mittlerweile eine Binsenweisheit, aber aus meiner persönlichen Erfahrung gilt das nochmal besonders, je härter das Sub-Genre ist.

Da hält jeder dem anderen die Tür auf, niemand drängelt sich vor, und wenn man sich im Zuschauerbereich positioniert, schaut man sich um, dass man auch nicht einer kleineren Person die Sicht verstellt.

Als ich nach ein paar Stücken mein Bier ausgetrunken hatte, wollte ich so schnell kein neues, hatte aber auch keine Lust, die ganze Zeit das leere (und für ein Livekonzert bemerkenswert schwere) Glas in der Hand zu halten. Da ergab es sich, dass ein anderer Zuschauer, etwa in meinem Alter, mit leerem Glas Richtung Ausgang an mir vorbeiging.

Ich fragte ihn: "'Tschuldigung, gehst Du Richtung Tresen?"

"Ja, wieso?"

"Kannst Du mein leeres Glas mitnehmen?"

"Klar, kein Problem."

Ich glaube, wenn ich ihn gefragt hätte, ob er mir ein neues mitbringen kann, hätte er das auch gemacht. Solche Leute sind das.


Am Samstag wiederum stand ich selbst auf der Bühne, mit der Punkrock-Band, in der ich Bass spiele. Weil das diesmal aber ein eher chilliges Konzert auf einem Biohof zusammen mit einer Reggae- und einer eher entspannten Rock-Band war, haben wir unsere Stücke kurzerhand auf ein Akustikset umgebaut. Das kam überraschend gut an.

Wir hatten keine wirkliche Bühne sondern spielten auf einer Ebene mit den Zuschauer*innen unter einem Scheunendach, und als zwischendurch leichter Regen einsetzte, kam einfach die Hälfte des Publikums zu uns auf die Bühnenfläche, um sich unterzustellen, während wir natürlich weiterspielten.

Ein Junge aus dem Publikum war bei einem unserer Songs erstaunlich textsicher, und weil er so begeistert mitsang, haben wir ihm nach unserem Auftritt ein viel zu großes T-Shirt von uns geschenkt und haben noch ein Foto mit ihm gemacht. Ich denke mal, da haben wir einem unserer größten Fans eine echte Freude bereitet.

Die beiden anderen Bands haben auch großen Spaß gemacht, und es war ein sehr gelungener Abend.


Gerade eben habe ich noch unserem Sänger und Gitarristen die Instrumente vorbeigebracht, die wir gestern Abend mit zu mir nach Hause genommen haben, und auf dem Weg zu ihm kam ich an einer Kreuzung vorbei, die die Stadtverwaltung fahrradfreundlich gestaltet hat. Der Radverkehr hat dort nun Vorrang, und damit die Autofahrer*innen das auch kapieren, hat man jeweils vor dem Überweg sogenannte "Berliner Kissen" angebracht, also Fahrbahnschwellen, die man nur langsam überqueren kann.

Das scheint den einen oder anderen komplett zu überfordern, ich habe allein auf dem Hin- und Rückweg zwei Autofahrer beobachtet, die in Ultrazeitlupe darübergefahren sind, als würde ihnen der Wagen bei auch nur einem Stundenkilometer mehr in alle Einzelteile zerfallen.

Da kaufen sich die Leute "Stadtgeländewagen" (allein das Wort schon!), aber sobald mal eine Fahrbahnerhöhung von ein paar Zentimetern auftaucht, tragen sie ihr Auto darüber.

Naja, immerhin verfehlen die Berliner Kissen ihre Wirkung nicht.


Mein Blog-Workflow ist mittlerweile eher minimalistisch. Ich starte den relativ ablenkungsfreien Editor "Ghostwriter", tippe da den Text hinein, speichere ab und zu und copypaste dann alles in Wordpress.

Die Plugins, die ich in Wordpress installiert habe, schalten auch mehrheitlich eher Dinge ab, als für erweiterte Funktionalität zu sorgen.

Meine Fotos präsentiere ich mit einem zwar recht günstigen Galerie-Plugin, aber da will ich mir auch nochmal bei Gelegenheit eine kostenfreie Alternative überlegen.

Aufrufstatistiken schaue ich mir gelegentlich mal an, um zu sehen, ob mich jemand verlinkt hat, aber das war's auch schon. Lohnt sich bei der überschaubaren Anzahl der Leser*innen ja auch nicht wirklich, da irgendwas zu optimieren.

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Donnerstag, 11. September 2025

In einem Drei-Personen-Haushalt verschwinden hin und wieder Dinge. Das letzte Ding, das verschwunden ist, ist ein sich selbst einrollendes 3-Meter-Bandmaß, das ich im Wohnzimmer in die Schublade oben rechts gelegt habe. Das war sein Platz, da lag es immer. Jetzt ist es weg.

Ich habe aufgehört, mich über sowas aufzuregen. Ich gehe auch nicht mehr auf eine ausgedehnte Suche, von der ich nach 20 Minuten ohnehin nur frustriert mit leeren Händen zurückkehre.

Bei solchen Artikeln, die weniger als 5 Euro kosten, bestelle ich einfach einen neuen. In diesem Fall sogar zwei, ein Bandmaß kommt wieder in die vorgesehene Schublade, eins in mein Arbeitszimmer in den Rollcontainer. Falls das aus der Schublade wieder weg ist, wird es wieder ersetzt, und notfalls kann ich ja hier im Blog nachschauen, wo das andere ist und dann erstmal das benutzen.

Schlimmstenfalls haben Frau oder Kind einen anderen Stammplatz für diesen Gegenstand vorgesehen als ich. Aber das fällt spätestens auf, wenn sie das Bandmaß dort wieder "zurück" legen und sich dort bereits eines befindet. Und wenn sich herausstellen sollte, dass sie dort lauter Bandmaße horten, ohne was zu sagen, kann ich mich ja immer noch aufregen.


Morgen ist Freitag, da werden wieder neue Musikalben veröffentlicht. Ich höre - außer auf Parties - ausschließlich ganze Alben, deswegen nützen mir bei Streamingdiensten diese Release-Radar-Playlisten überhaupt nichts. Mich interessiert nicht, ob eine Band eine einzelne Single veröffentlicht hat, im Gegenteil, ich warte lieber, bis das komplette Album rauskommt, bevor ich ein einzelnes Stück daraus höre.

Gelegentlich habe ich mir sonst nämlich am Veröffentlichungsdatum des Albums die eine "ausgekoppelte" (sagt man das noch?) Hitsingle schon komplett überhört.

Praktischerweise gibt es auf der Webseite der Zeitschrift "Metal Hammer" eine HTML-Tabelle mit Band, Albumnamen und Datum der Veröffentlichung. Unpraktischerweise ist diese Tabelle aber nach Bandnamen alphabetisch sortiert und nicht, wie es sinnvoll wäre, nach Veröffentlichungsdatum.

Ich habe mir daher mit n8n, einer selbst hostbaren Plattform für Automatisierungszwecke, einen Workflow dafür gebaut. Die Automation schaut einmal täglich auf die Webseite mit der Tabelle, filtert diese nach aktuellem Tagesdatum und schickt mir die Veröffentlichungen dieses Tages per Mail zu.

So kann ich mich jeden Freitagmorgen über eine Mail mit neuen Metal-Alben freuen. Einziger Schwachpunkt ist, dass ich anhand des Namens der Band oder des Albumtitels entscheiden muss, ob das was für mich ist.

In der Regel kriege ich das aber ganz gut hin, schließlich höre ich diese Musikrichtung schon seit fast 40 Jahren und überspringe Namen wie "Steel Panther" (klingt auf Anhieb nach Glam Rock, nichts für mich) oder "Urgehal" (vermutlich unhörbarer Black Metal aus Skandinavien) einfach.

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Sonntag, 07. September 2025

Am Freitag hatte ich in der Mittagspause Hunger auf Currywurst und bin in die Innenstadt gegangen. Imbissbetriebe unterliegen wahrscheinlich überall einer gewissen Fluktuation, also bin ich einfach auf gut Glück los und bin eine der beiden größeren Einkaufstraßen in unserer Fußgängerzone entlanggegangen, auf der Suche nach einem Imbiss, der nicht nur Döner verkauft.

Tatsächlich wurde ich recht bald fündig. Direkt an den Rossmann angrenzend gibt es einen Imbiss, der ausschließlich mit einer Außentheke ausgestattet ist, vor dem Laden stehen aber ein paar Tische mit Sitzgarnituren. Kernthema der rasch überflogenen Speisekarte schienen Burger und irgendwas mit Crispy Chicken zu sein, aber was mir direkt von der Karte entgegensprang: Currywurst mit Pommes. Na bitte, danach hatte ich gesucht.

Döner gab's zwar auch, was etwas mehr mit der äußeren Erscheinung der beiden Herren hinter dem Tresen korrespondierte, aber ich hatte mich ja auf hiesige Standardimbisskost festgelegt.

"Einmal Currywurst mit Pommes zum Mitnehmen bitte."

"Gerne, mach ich fertig."

Während ich nun vor der Theke stand und auf mein Essen wartete, stand plötzlich eine grauhaarige Frau neben mir und blaffte den Imbissbetreiber an: "POMMES!"

"Wie bitte?"

"EINFACH POMMES!"

Und während ich noch dachte, "du blöde Kuh, sprich in ganzen Sätzen, dann versteht der dich auch", gesellte sich ihr ebenfalls grauhaariger Mann dazu, zog an seiner Zigarette und ergänzte: "MIT MAJO!"

Wie kann man mit derart schlechten Manieren so alt werden? Was für Arschlöcher.


Der gestrige Tag war überlagert von heftigen Rückenschmerzen im rechten Lendenwirbelbereich, muss mich wohl irgendwie verlegen, verdreht, was auch immer ver-dingst haben, jedenfalls war es nur einigermaßen im Sitzen auszuhalten, denn sobald ich mich unbedacht bewegte, riss es mich jedesmal wieder zurück in meine Ausgangsposition.

Die heilige Dreifaltigkeit - Ibuprofen, Voltaren Schmerzgel forte und ein Wärmegürtel - begleitete mich durch den Tag.

Heute geht's schon etwas besser, und das schöne Wetter wäre eigentlich ideal gewesen, irgendwas an der "frischen Luft" zu machen, aber ich war relativ antriebslos und habe stattdessen den Tag weitestgehend im Herumgammelmodus verbracht.

Vielleicht gucke ich heute Abend weiter "Narcos: Mexico" auf Netflix, bin gerade in der zweiten Staffel. Die ersten drei Staffeln "Narcos" habe ich kurz zuvor durchgeschaut und behaupte seither, fließend Spanisch zu können, aber einen leicht kolumbianischen Akzent zu haben.

Tatsächlich habe ich den Eindruck, das kolumbianische Spanisch etwas besser verstanden zu haben, als das mexikanische. Aber mit "Puta", "Pendejo" und "Cabron" kommt man wahrscheinlich in beiden Ländern relativ weit.

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Brille

Als ich noch eine Frisur auf dem Kopf trug, stach das nicht so ins Auge, aber jetzt mit der Glatze ist mir aufgefallen, dass die Bügel meiner Arbeitsbrille, die ich mittlerweile dauerhaft am Rechner tragen muss, Abdrücke unterhalb der Schläfen hinterließen.

Die waren nicht schmerzhaft oder so, aber sie sahen halt doof aus, vor allem, wenn sie noch zu sehen waren, obwohl ich die Brille vor einer halben Stunde abgenommen hatte.

Also habe ich mir einen Termin bei Fielmann geklickt und bin in der Mittagspause hin. Die Mitarbeiterin nahm meine Brille mit, kam nach ein paar Minuten zurück, und tatsächlich, die Bügel waren wesentlich weiter, und die Brille saß merklich lockerer.

Zu locker, wie ich zurück im Büro feststellen musste. Sie rutschte mir nämlich ständig von der Nase, außer, wenn ich mein Headset trug. Also wieder einen Termin gebucht, diesmal nach Feierabend. Wieder zu Fielmann.

Dieselbe Mitarbeiterin bediente mich auch diesmal wieder. Gleiches Spiel, sie verschwand kurz aus meinem Blickfeld, kam zurück, schaute, prüfte, ging nochmal weg, kam wieder, und die Brille saß jetzt wieder fester.

Zuhause bemerkte ich jedoch, dass nun der Bügel ein ganz kleines Bisschen am linken Ohr zu fest saß. Ich wollte das am nächsten Tag auf der Arbeit dauerhaft prüfen, bevor ich wieder einen Termin machte.

Der nächste Tag im Büro: Ja, doch, ließ sich nicht abstreiten, die Brille drückt am linken Ohr. Minimal, aber doch lästig auf Dauer. Also noch einen Termin.

Diesmal geriet ich an eine andere, deutlich ältere Kollegin, schilderte ihr kurz die Vorgeschichte, woraufhin sie wissend nickte, mit meiner Brille verschwand und nach fünf Minuten wiederkam.

Jetzt sitzt die Brille perfekt und macht auch nicht mehr so dolle Abdrücke.

Das soll übrigens keineswegs ein Vorwurf an Fielmann sein, ganz im Gegenteil. Der ganze Spaß hat mich erstens keinen Cent gekostet, und zweitens halte ich dieses Zurechtbiegen von verschiedensten Werkstoffen an die unterschiedlichsten Kopf-, Ohr- und Nasenformen für alles andere als trivial. Und gerade dieser Bereich am Kopf ist dermaßen empfindlich, wenn da ein Gegenstand mit nur ein paar Nanometern falsch sitzt, kann das schon nach ein paar Minuten sehr unangenehm sein.

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Glatze

Seit ein paar Wochen trage ich wieder Glatze. Das habe ich früher schon gemacht, aber jetzt ist ein graumelierter Bart dazugekommen, und das sieht ganz anständig aus, finde ich.

Bevor ich mir mit einem Barttrimmer (was anderes hatte ich nach all den Jahren mit Frisur nicht mehr zur Hand) das Haupthaar abrasiert habe, habe ich mir per KI-App eine Vorschau generieren lassen, um zu sehen, ob das beknackt aussieht oder nicht. Tat's aber gar nicht.

So ein Langhaarschneider ist natürlich nicht so gründlich, und weil ich den immer mal in irgendeiner Instagram-Werbung gesehen habe, bestellte ich mir einen Glatzenrasierer. Ich habe mir allerdings das eher günstige Modell der Marke Kensen mit 6 Scherköpfen gekauft. Das Ding hat eine einigermaßen zylindrische Form, liegt gut in der Hand, und bisher musste ich den Akku noch nie aufladen, obwohl ich den Rasierer schon mindestens 10 Mal im Einsatz hatte.

Grundsätzlich habe ich genügend Haarwachstum, um eine komplette Frisur zusammenzubekommen, aber irgendwie war mir mal wieder danach. Daraus folgt allerdings, dass ich mir mindestens alle drei Tage die Glatze nachrasieren muss, sonst müsste ich da erst wieder mit dem Barttrimmer drüber.

Es gibt vom Glatzenrasierer auch teure Varianten mit fancy Hipster-Namen, aber die machen auch nichts anderes. Von der gleichen Marke gibt es auch Glatzenshampoo. Das klingt widersinnig, aber es soll wohl dafür sorgen, dass die Kopfhaut nicht so glänzt. Ich hab's mal ausprobiert, aber nochmal kaufe ich das Zeug nicht, glaube ich.

Sehr sinnvoll ist Sonnencreme, vor allem, wenn die Kopfhaut das ganze Jahr über noch keine Sonne gesehen hat. Ob es da spezielle für Glatzenträger braucht, kann ich nicht beurteilen, aber die, die ich habe, zieht sehr schnell ein, und das will man ja eigentlich.

Es gibt übrigens eine feststehende Regel, die besagt, dass man die Stellen, die man beim Rasieren vergessen hat, erst bemerkt, wenn der Rasierer gereinigt wurde. So will es das Gesetz - es ist das gleiche, das auch dafür sorgt, dass man Rechtschreibfehler erst nach dem Klick auf den "Senden"-Button erkennt.

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Montag, 01. September 2025

Die Entmicrosoftisierung geht weiter. Heute habe ich Office 365 zusammen mit der OneDrive-Cloud gekündigt. Das Wenige, was ich mit Microsoft Office zu Hause gemacht habe, kriegt LibreOffice locker auch hin, und die Cloud habe ich durch einen Anbieter aus Europa ersetzt.

Wenig überraschend waren beim Kündigungsvorgang ein paar Rückfragen eingebaut. Sind Sie sicher? Wollen Sie nicht vielleicht auf ein anderes Zahlungsmodell wechseln? Oder auf die Cloud verzichten und nur Office weiter nutzen?

Nein, wollte ich nicht.

Was ich aber durchaus erwähnenswert finde: Beim Kündigen hatte ich dann die Wahl, ob ich das Abo einfach auslaufen lasse oder jetzt sofort kündige und mir von Microsoft den Restbetrag auszahlen lasse. Immerhin, das finde ich fair.

Im Gegensatz zu Google, die mir damals nach der Kündigung den Restbetrag, der im laufenden Abo für den Rest des Jahres angefallen wäre, direkt in Rechnung gestellt haben.


Danach habe ich eine kleine 20km-Runde auf dem Gravelbike gedreht, weil ich den neuen Sattel ausprobieren wollte, der heute geliefert wurde. Der hat keine nennenswerte Polsterung, ist aber in sich leicht flexibel, und was soll ich sagen, darauf sitze ich bequemer als auf dem gepolsterten Sattel, der beim Fahrrad vormontiert war.

Unterwegs habe ich kurz angehalten, weil ich die Neigung des Sattels noch ein wenig korrigieren wollte.

So stand ich also auf einer mittlerweile stillgelegten Kreisstraße am Fahrbahnrand und nestelte mit einem Innensechskant an den Klemmschrauben des Sattels herum, als ein anderer Radfahrer, geschätzt 40 Jahre alt, aus der Gegenrichtung angefahren kam und mir beim Vorbeifahren zurief: "Alles ok?"

"Ja, alles bestens, danke, justiere nur gerade mal den Sattel."

"Alles klar!"

Darüber habe ich mich noch den ganzen Rest der Radfahrt gefreut.

Ich weiß nicht, ob er mir überhaupt hätte helfen können, wenn nicht alles ok gewesen wäre, aber allein die Tatsache, dass er gefragt hat, finde ich bemerkenswert und alles andere als selbstverständlich.

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Donnerstag, 28. August 2025

Elternabend mit Elternvertreterwahl. Im letzten Jahr war ich der Elternvertreter, wir mussten damals neu wählen, weil ein Schüler sitzengeblieben war und die Mutter, die das bisher gemacht hatte, somit für diese Klasse ausfiel. Weil ich bei sowas immer keine Lust darauf habe, mitanzusehen, wie alle möglichst unauffällig in die Luft gucken, damit sie nicht vorgeschlagen werden, habe ich damals einfach gesagt: "Na gut, ich mach's," und habe meinen Sitznachbarn, den Vater einer Freundin meiner Tochter, überredet, dass er Stellvertreter wird.

Die Klasse ist ziemlich pflegeleicht, daher gab's für uns nicht viel zu tun, außer am Ende des vergangenen Schuljahrs eine kleine Feier zu organisieren.

Jetzt musste wieder neu gewählt werden, weil der 2-Jahres-Turnus neu anfing. Wir hatten uns vorher schon abgesprochen, dass wir wieder antreten, falls sich sonst niemand freiwillig meldet, nur mit vertauschten Rollen. Und so kam's dann auch, er macht jetzt den Elternvertreter, und ich rücke auf Platz Zwei.

Alle waren zufrieden, hoffen wir mal, dass es so entspannt bleibt, wie bisher. Aber ich bin guter Dinge, die Klasse hat einen neuen Klassenlehrer bekommen, sehr jung, sympathisch und engagiert. Wird schon.


Die einzige Stelle, die an einer IBM Model M Tastatur kaputt gehen kann, ist kaputt gegangen: Die Buchse, in der das Verbindungskabel drinsteckt. Das ist so ein proprietärer Anschluss auf der einen, PS/2 auf der anderen Seite. Das äußerte sich darin, dass plötzlich alle LEDs anfingen zu flackern und irgendwelche Zeichen andauernd wiederholt wurden. Sehr unangenehm und definitiv behebungswürdig.

So ein Kabel bekommt man auch bei eBay kaum einzeln, also habe ich kurzerhand ebendort eine neue gebrauchte Tastatur gekauft, die preislich reduziert war, weil drei Tastenkappen fehlten. Davon habe ich allerdings reichlich Ersatzmaterial.

Die Tastatur ist vor ein paar Tagen angekommen und - wie könnte es bei einer Model M anders sein - es schreibt sich fantastisch darauf.

Kurzzeitig hatte ich mir moderne Tastaturen online angesehen und habe frühzeitig aufgegeben. Das sollen mal die jungen Leute benutzen, ich kauf mir kein anderes Tastaturmodell mehr.


Übermorgen hätte mein Freund Martin Geburtstag, wenn er nicht vor ein paar Jahren viel zu früh an den Folgen seiner schweren Diabeteserkrankung gestorben wäre. Wir haben es mittlerweile zur Tradition gemacht, uns jedes Jahr an diesem Tag mit dem Freundeskreis am Grab zu treffen. Es regnet dabei komischerweise immer in Strömen, als wolle er uns damit etwas sagen.

Zur Tradition gehört auch, am Grab eine Dose Havana Club zu trinken, denn als er noch fit war, war das so ziemlich das einzige alkoholische Getränk, was er überhaupt mochte. Ich kann das Zeug eigentlich gar nicht besonders leiden, aber was will man machen, wat mutt, dat mutt.

Hinterher gehen wir immer zum Griechen und erzählen uns Geschichten, die wir mit ihm erlebt haben, lachen uns kaputt, und meistens hört es genau dann auf zu regnen.

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Montag, 25. August 2025

Beschissene Nacht. Den Sonntag habe ich verkatert - wir hatten einen Auftritt mit unserer Punkrockband - zur Hälfte des Tages im Bett verbracht, und das macht den Nachtschlaf eh schon nicht so besonders. Hinzu kommt: Meine Schlafsituation ist trotz arschteurem Bett dergestalt, dass mich nach einer gewissen Zeit meine Rückenschmerzen aufwecken. So wurde ich zum ersten Mal um 3 Uhr nochwas wach und wälzte mich hin und her, auf der Suche nach einer einigermaßen okayen Liegeposition.

Der Katze ist sowas egal, die springt zuverlässig morgens um fünf auf mich drauf und legt sich quer über meinen Brustkorb. Man gewöhnt sich dran.

Es wird wieder kälter, zumindest nachts. Als ich heute Morgen ins Bad schlurfte, herrschten dort dank nächtlich auf Kipp stehendem Fenster 15° Celsius oder so. Daraufhin habe ich das Fenster geschlossen und mit Genugtuung beobachtet, wie mein HomeAssistant artig das Schließen des Fensters registrierte und die Heizung anwies, das Bad auf eine Temperatur von etwa 20° zu bringen.

Als der Heizkörper leise anfing zu rauschen, dachte ich: "Ich freu mich auf den Herbst."

Das dachte ich allerdings nur kurz, denn auf dem Weg zur Arbeit mit dem Rad fror ich mir fast die Hände ab bei einstelligen Temperaturen.

Bei der Kälte zog sich bei mir auch direkt erstmal sämtliche Rücken- und Schultermuskulatur zusammen. Die sitzende Bürotätigkeit hilft da nicht unbedingt, und ich beschloss, das angekündigte Sonnenscheinwetter des Abends für eine kleine Gravelradtour zu nutzen. Bewegung hilft mir bei Verspannungen in der Regel am zuverlässigsten. Außerdem wollte ich ohnehin den Kopf freikriegen.

Also habe ich mir nach einem relativ frühen Feierabend schnell eine Route auf Komoot zusammengeklickt und mich so bald wie möglich aufs Rad gesetzt.

Ist eine schöne Tour geworden, mit einem zunächst recht langen Anstieg (etwa 4 Kilometer), wonach ich aber mit einem sehr lohnenswerten Gravel-Teilstück durch den Wald belohnt wurde.

Für den Herbst - wenn er dann da ist - brauche ich aber wahrscheinlich doch nochmal andere Fahrradbekleidung.

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Mein Rennrad fährt jetzt viel schneller - nur halt ohne mich

Früher™ war ich viel auf dem Rennrad unterwegs, aber ich hatte nach nun etwa acht Jahren keine große Lust mehr auf befahrene Landstraßen oder nebeneinander hergurkende Pedelec-Renter auf benutzungspflichtigen Radwegen. Irgendwann kannte ich so ziemlich alle in Frage kommenden Routen in der Region, und das war mir schließlich zu eintönig, daher habe ich mir ein sogenanntes "Gravel-Bike" zugelegt.

Von weitem sieht diese Art von Fahrrädern zwar auch aus wie ein Rennrad, ist aber geländegängiger. Nicht nur durch die in der Regel dickeren, mit Profil versehenen Reifen, sondern auch durch den breiteren Lenker, dessen Untergriffe ein wenig nach außen gebogen sind. Dazu kommt eine Rahmengeometrie, die dafür sorgt, dass man etwas aufrechter sitzt.

Irgendwelche Durchschnittsgeschwindigkeiten oder Trainingserfolge waren mir mittlerweile egal - ich wollte einfach nur nach Feierabend oder am Wochenende eine Runde auf dem Rad drehen und dabei möglichst meine Ruhe haben, indem ich vielleicht die eine oder andere Route abseits der Straße nehme.

Das Rennrad brauchte ich also nicht mehr wirklich, und ich fasste den eher unkonkreten Entschluss, es demnächst zu verkaufen. Ich würde es noch ein wenig reinigen müssen, vor allem einmal gründlich die Kette, aber alles in allem würde ich es wahrscheinlich schon loswerden.

Mir grauste zwar vor Verhandlungen auf kleinanzeigen.de, aber zum Glück kam es anders, nämlich so:

Schon bei meiner zweiten oder dritten Ausfahrt mit dem Gravel-Bike fuhr ich vor gut drei Wochen durch ein Waldstück. Auf dem Weg vor mir ging ein Fußgänger mit seinem Hund entlang, und als ich schließlich näher kam, erkannte ich die Person wieder - es war ein Bekannter von früher, mit dem ich zu Schul- und Zivildienstzeiten viel rumgehangen hatte.

Ich grüßte und fuhr erst vorbei, aber weil der Weg plötzlich sehr steil anstieg, musste ich absteigen und erstmal durchatmen.

So kamen wir kurz ins Gespräch, und er fragte mich: "Sag mal, du kennst dich doch mit Fahrrädern ein bisschen aus, mein Sohn würde gerne mit dem Rennradfahren anfangen, weißt du, bei welcher Preisklasse man da am besten einsteigt und wo man vielleicht eins kaufen kann?"

Mir fiel natürlich direkt mein Rad ein und fragte: "Wie groß ist der denn?"

"Ziemlich für sein Alter. Ungefähr so groß wie du."

"Dann kann er vielleicht meins übernehmen." Ich überschlug kurz, wie lange ich das Rad schon hatte und nannte einen (wirklich geringen) Preis, der auf Zustimmung stieß.

"Na, dann lass uns die Tage mal treffen."

Und tatsächlich: Wenige Tage später kamen die beiden vorbei, der Sohn setzte sich auf mein altes Rennrad, und wenn irgendwo der Begriff "perfect match" gepasst hat, dann da. Als wäre das Fahrrad für ihn gemacht worden, wir mussten nicht mal die Sattelhöhe verändern. Selbst die Klickpedalschuhe passten ihm auf Anhieb.

Ich musste ihm zwar erst erklären, wie das mit den Klickpedalen funktioniert, weil er noch nie mit welchen gefahren war, aber ich hatte relativ bald den Eindruck, dass er damit schon zurecht kommen würde.

Ich habe ihm ein bisschen Zubehör mitgegeben, das ich jetzt ohne das Rennrad nicht mehr brauchte, wie zum Beispiel die Schuhe (fürs Gravel-Bike habe ich andere), Ersatzreifen und -schläuche, sowie passende Trinkflaschenhalter in Rahmenfarbe.

Ein bisschen Wehmut hatte ich zwar schon, mein Rennrad wegzugeben, weil ich darauf immer viel Spaß hatte, aber zum einen brauchte ich es ja wirklich nicht mehr, und zum anderen machte der junge Mann einen so glücklichen Eindruck, als er mit seinem neuen Sportgerät von dannen zog, dass ich schon ahnte, das Rad in dankbare Hände gegeben zu haben.

Und so hatte ich gerade noch überlegt, ob ich mal beim Vater nachfrage, ob alles in Ordnung ist, da ergab es sich, dass ich heute zufällig einen gemeinsamen Bekannten traf, der ganz in der Nähe von den beiden wohnt.

Dem erzählte ich von dem Verkauf, ja, das hätte er mitbekommen, doch was er daraufhin berichtete, ließ bei mir dann endgültig jeden Zweifel verblassen:

Dieser Junge, der bis vor zwei Wochen noch nie ein eigenes Rennrad besaß, geschweige denn jemals mit Klickpedalen gefahren ist, hat am vergangenen Wochenende offenbar kurzerhand bei den Cyclassics in Hamburg teilgenommen (!) und ist auf meinem acht Jahre alten Alu-Rennrad mit lauter Einsteiger-Komponenten eine Durchschnittsgeschwindigkeit gefahren, die ich in meinem ganzen Leben nie erreicht habe und auch nicht mehr erreichen werde.

Und wenn dieses Naturtalent irgendwann mal im gelben Trikot fährt und berühmt ist, werde ich jedem, der es nicht hören will, erzählen, dass ich es war, der ihm damals sein erstes Rennrad verkauft hat. Inklusive Klickpedalschuhen. Und Trinkflaschenhaltern in Rahmenfarbe.

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Darktable

Pünktlich zu meinem Entschluss, hauptsächlich Linux statt Windows auf meinem privaten Desktop zu nutzen, teilt mir Adobe mit, dass mein Lightroom Abo mit Cloudspeicher zukünftig mehr als 20% teurer wird.

Das ist insofern praktisch, als dass mir damit eine weitere Entscheidung abgenommen wird, mich nämlich auch von Adobe zu verabschieden.

Darktable ist das Mittel der Wahl, wenn man Raw-Fotos mit freier Software bearbeiten möchte. Ja, es ist vielleicht nicht so intuitiv wie Lightroom, aber mindestens ebenso mächtig, wenn man auf KI-Sperenzchen verzichten kann.

So habe ich wieder etwas zum Hineinarbeiten, man lernt ja nie aus. Aus diesem Grund habe ich mal nachgesehen, was ich noch so an unbearbeiteten Fotos herumliegen habe, da ist mir das hier aus unserem Städtetrip nach Berlin untergekommen. Nicht das allerbeste Foto in meinem Portfolio, aber so kann ich mich schon mal an den etwas anderen Workflow mit Darktable gewöhnen.

[caption id="attachment_9029" align="alignnone" width="396"] Potsdamer Platz[/caption]

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Back to Linux

Diese Betriebssysteme habe ich alle schon benutzt und installiert, je nach Lebensabschnitt privat oder beruflich, und je nach Einsatzzweck auf dem Desktop ((Auch, wenn man das ganz am Anfang noch nicht so genannt hat)) oder als Serverbetriebssystem:

Atari 600XL BASIC, Commodore 64 BASIC, MS-DOS (ab v3.3), Novell NetWare, IBM OS/2, Windows NT, Microsoft Windows 3.1, Windows for Workgroups 3.1, Microsoft Windows 3.11, Windows for Workgroups 3.11, IBM AIX (ab v3.2.5), Windows 95, HP-UX (ab v10.20), Windows 98, Windows Server 2000, Windows XP, Windows Server 2003, Windows Server 2008, Windows 7, Mac OS X (OS X, macOS, wie auch immer, irgendwas ab Snow Leopard), Windows Server 2012, Windows 10, Windows Server 2016, Windows Server 2019, Windows Server 2022, Windows 11. ((Windows ME, Vista und 8 habe ich dankend übersprungen))

Und Linux. Immer wieder Linux.

IBM AIX war mein erster Berührungspunkt mit UNIX, und ich weiß noch, wie erhaben sich das angefühlt hat. Ich war damals in der Ausbildung zum Datenverarbeitungskaufmann (das gibt's heute gar nicht mehr), und ich ahnte: UNIX war etwas für Profis. Und plötzlich gab es Linux.

Mein erstes Linux war irgendeine Slackware Mitte der 90er, mit der noch gar nichts richtiges anzufangen war, ich glaube, da war ein Netscape Navigator installiert, aber da eh kaum jemand Internet hatte, war das auch egal.

Später habe ich mir im Buchhandel eine der ersten S.u.S.E.-Distributionen gekauft, die gab's noch im Pappschuber mit gedrucktem Handbuch.

Man musste wirklich für jeden Scheiß die Kommandozeile benutzen, aber das störte mich nicht, im Gegenteil. Für jeden zweiten Scheiß hingegen musste man den Kernel neu kompilieren, mindestens für Hardware, die nicht von Haus aus unterstützt wurde. Und das war so ziemlich jede.

Soundtreiber? Kernel kompilieren. Flachbettscanner? Kernel kompilieren. 3D-Grafikkarte? War nutzlos, die damaligen Spiele, die unter Linux liefen, waren eh nur irgendwelche Puzzles für 3-Jährige oder rundenbasierte Civilization-Klone, die niemand ernsthaft länger als 10 Minuten gespielt hat.

Aber trotzdem. Vieles hat schon funktioniert, man konnte im Internet surfen (so nannte man das), Office-Dokumente bearbeiten, Filme gucken (naja) und MP3-Dateien abspielen. Und natürlich ganz viel herumprobieren.

Das ist jetzt 20 Jahre her, damals hatte ich noch Zeit für sowas. Irgendwann dann nicht mehr, so dass ich Linux zumindest auf dem Desktop erstmal wieder aus den Augen verloren habe.

Nichtsdestotrotz: Linux-Distributionen habe ich folgende installiert und benutzt (Versionen weiß ich nicht mehr): Slackware, S.u.S.E., SUSE Linux Enterprise Server, Red Hat, Debian, Knoppix, Ubuntu, Linux Mint, Kali, verschiedene Homeserver-Linuxe wie Unraid oder Proxmox und seit ein paar Tagen: Fedora (42, mit KDE Plasma Desktop).

Ich weiß gar nicht, wie ich auf ausgerechnet diese Distribution gekommen bin, aber der Anlass war, dass ich ein altes, nicht mehr Windows11-fähiges Lenovo Thinkpad vorm Elektroschrott gerettet habe, und da habe ich neulich einfach mal Fedora drauf installiert. Und - holy shit - sieht Linux heutzutage gut aus.

Spätestens seit Linux Mint konnte ich Linux ruhigen Gewissens auch Windows-Usern als Desktop-Betriebssystem empfehlen, vor allem, wenn sie Hardware besaßen, auf denen kein aktuelles Windows mehr funktionierte.

Aber das aktuelle Fedora Linux ist einfach unfassbar gut. So gut, dass ich es trotz teuer bezahlter Windows 11 Professional Lizenz auf meinem privaten Desktop als primäres Betriebssystem installiert habe. Per Dual Boot kann ich immer noch Windows starten, aber das werde ich zu Hause nur noch in Ausnahmefällen machen.

Bei Windows kann ich meine Oberfläche kaum anpassen, ich muss mich zwingend bei Microsoft anmelden, ständig macht es aus heiterem Himmel irgendwelche Updates, bei Software, die ich ausprobieren will, muss ich jedesmal darauf achten, nicht an irgendeine Hütchenspieler-Bande zu geraten, und ständig bauen sie irgendein nerviges Feature ein, nach dem niemand verlangt hat.

Neu installierte Windows-Rechner muss man erstmal zwei Stunden lang aufräumen, um alles runterzuwerfen, was man auf gar keinen Fall draufhaben möchte, inklusive vollkommen dubioser Fake-News-Kanäle. Und dann noch die Nummer mit dem Zwangsupgrade von Windows 10 nach Windows 11, mit dem Microsoft tadellos funktionsfähige Computer ab Oktober 2025 mal eben einfach zu Elektroschrott erklärt.

Ich meine, ich will mich nicht beklagen: Ein großer Teil meines Jobs, mit dem ich meinen Lebensunterhalt bestreite, besteht daraus, Windows-PCs nutzbar zu machen, indem ich alle diese Unzulänglichkeiten wegautomatisiere. Aber Privatanwender, die sich einen neuen PC zulegen wollen, würde ich erstmal fragen, was sie damit vorhaben und dann überlegen, ob ein aktuelles Linux nicht die bessere Wahl wäre.

Das neue Fedora macht alle diese Dinge nicht, es funktioniert einfach. Es sieht fantastisch aus, ich kann alles so anpassen, wie ich es möchte, alles reagiert gefühlt doppelt so schnell, und dank Steam laufen jede Menge Spiele problemlos.

Ich bin jetzt wieder Linux-User. Wer zu Hause Hardware laufen hat, auf der Windows 11 nicht mehr starten würde, dem helfe ich gerne, auch einer zu werden. Und allen anderen auch.

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A Day at the Races

Ein britischer Fotograf erwähnte in irgendeinem YouTube-Video, das ich kürzlich gesehen hatte, dass er gerne zu Pferderennen fährt, um dort zu fotografieren. Das klang irgendwie interessant, daher erkundigte ich mich, wo man sich sowas bei mir in der Nähe anschauen kann. Und tatsächlich: Am 16. Juni 2024 sollte auf der Pferderennbahn in Hannover Langenhagen ein Renntag stattfinden. Der Eintritt war mit 12 Euro moderat, also schnappte ich mir meine Kamera und fuhr hin.

Ich weiß gar nicht genau, was ich erwartet hatte, dort vorzufinden.

Klar, High-Society, vielleicht nicht ganz so mondän wie in England, aber auf jeden Fall viele Hutträgerinnen und -träger. Spoiled rich kids. Rentner mit Operngläsern. Ältere Damen mit Schoßhündchen. Ein bisschen Volksfest. Möglicherweise auch der eine oder andere, der Haus und Hof auf irgendein Pferd verwettet - und verliert. Das wiederum habe ich nicht beobachten können (zumindest nicht, dass ich's bemerkt hätte), aber alles in allem wurde ich nicht enttäuscht.

Nicht jedes Foto ist so prägnant, dass es für sich alleine stehen könnte, andere wiederum hätten genauso gut in irgendeinem Park aufgenommen worden sein können. Aber da ich hier ja kein Platzproblem habe, zeige ich Euch einfach fast alle. Viel Spaß.

Falls Ihr Euch Anmerkungen zu der Entstehung oder Einordnung mancher Fotos wünscht, schreibt es einfach hier in die Kommentare, dann hole ich das nach. Alle Fotos wurden mit einer Fujifilm X-T3 gemacht, verwendet habe ich ein TTArtisan 27mm- und ein Fujinon 50mm-Objektiv.

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Sometimes

Maximilian Buddenbohm erwähnt seine Nachbarin, die immer wieder denselben Song von Whitney Houston hört und erinnert mich damit an eine Begebenheit aus meiner Ausbildungszeit.

Ich musste zweimal im Jahr für mehrere Wochen zum Blockunterricht in die Berufsschule nach Alfeld. Unser Ausbildungsgang zum Datenverarbeitungskaufmann war wohl nicht so populär, und so mussten alle Azubis aus Niedersachsen dahin. Einige Mitschüler wohnten für die Zeit dort in einer Pension, und wahrscheinlich wäre Hannover für alle irgendwie einfacher gewesen, aber nun. Dann eben Alfeld.

Weil ich damals kein Auto hatte, bin ich dort jeden Tag mit dem Zug hingefahren. Das war leider keine Direktverbindung, deshalb musste ich morgens um 6:30 Uhr von Hameln erst ca. 35 Minuten nach Elze fahren, dort dann 20 Minuten warten, um schließlich weitere 10-15 Minuten im Zug von Elze nach Alfeld zu verbringen. Von da aus ging's mit dem Bus weiter zur Schule.

Das war die schnelle Verbindung auf dem Hinweg: Mit dem Fahrrad zum Bahnhof, Zug nach Elze, Zug nach Alfeld, Bus zur Schule.

Auf dem Rückweg jedoch war die Verbindung so getaktet, dass ich um 14:00 Uhr, wenn ich mit dem Zug aus Alfeld an meinem Zwischenhalt in Elze eintraf, noch die Rücklichter des Scheißzuges sah, der soeben Richtung Hameln abgefahren war. Je. Den. Tag.

Daraufhin musste ich etwa 45 Minuten Zeit in Elze totschlagen, was mangels Infrastruktur gar nicht so leicht war. Um mir die Zeit zu vertreiben, bin ich manchmal die Bahnhofstraße hoch und wieder herunter zum Geldautomaten gelaufen und habe mir dort 20 Mark abgeholt. Oder ich kaufte irgendeine Kleinigkeit beim damals noch vorhandenen Aldi ein, bis ich irgendwann von allen gekauften Artikeln die PLU-Nummer auswendig kannte - Scannerkassen gab's damals noch nicht. Aber ich schweife ab.

Hatte ich nun endlich um 14:45 Uhr den nachfolgenden Zug nach Hause bestiegen, fuhr dieser nicht wie auf dem Hinweg in "nur" 30 Minuten nach Hameln, sondern hielt für weitere 15 Minuten in Osterwald, weil er auf den entgegenkommenden Zug warten musste, da die Bahnstrecke dort eingleisig geführt wurde. Das war eine gewaltige Geduldsprobe, denn ich war da immerhin schon seit über 9 Stunden auf den Beinen, hatte noch nichts Vernünftiges gegessen und wollte eigentlich nur noch nach Hause. Und das jeden Tag.

Um es einigermaßen auszuhalten, hatte ich immer einen Discman mit (für die Jüngeren unter euch: ein mobiler CD-Player) und hatte immerhin im Zug schon genug Zeit, meine Hausaufgaben zu machen.

Eines Tages jedoch ging mir kurz hinter Elze die Akkuladung aus, ich hatte keinen Ersatz dabei und so bekam ich mit, was für ein Musikstück die Person neben mir sehr laut hörte: "An Angel" von der Kelly Family.

"Sooooometiiiiiimes, I wish I were an aaaaaaaangeeeeeeel, ..."

Als das Lied vorbei war, begann es von vorn.

"Sooooometiiiiiimes, ..."

Und nochmal. Und nochmal. Und nochmal.

Der Zug hielt in Osterwald, also verstummte auch noch der Hintergrundlärm.

Es herrschte relative Ruhe. Bis auf den kleinen Angelo Kelly, der immer wieder "Sooooometiiiiiimes, I wish I were an aaaaaaaangeeeeeeel, ..." jaulte.

Endlich setzte sich der Zug wieder in Bewegung, hielt aber kurze Zeit später in Voldagsen. Währenddessen die ganze Zeit "Sooooometiiiiiimes...", was nur einmal übertönt wurde durch eine Durchsage, dass die Abfahrt sich heute um etwa 20 Minuten verzögern würde, es gäbe eine Signalstörung oder sowas. Auch das noch.

"Sooooometiiiiiimes, ..."

Der Zug war ziemlich voll, und so konnte ich mich auch nicht woanders hinsetzen.

Ich bin dann ausgestiegen, habe an der B1 den Daumen rausgehalten und bin die restlichen 20 km nach Hameln per Anhalter gefahren. Wenn ich noch einmal "An Angel" von der Kelly Family hätte hören müssen, ich hätte mich wohl straffällig gemacht.

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RockHard-Magazin, wir müssen reden

[caption id="attachment_8780" align="alignnone" width="800"] Quelle: shop.rockhard.de[/caption]

Das hier ist ein Screenshot mit den letzten Ausgaben von Eurer Shopseite, den ich nur minimal angepasst habe. Auf der Webseite standen diese sechs Heftcover genau so in dieser Reihenfolge nebeneinander, ich habe sie lediglich so angeordnet, dass 2x3 Cover übereinander passen.

Dass Heavy-Metal-Fotos sehr, sehr schnell ins Alberne entgleiten, ist ja nun nichts Neues - wie man auf dem Bild anschaulich sehen kann. Ich lese die "RockHard" in der Regel Stück für Stück morgens beim Kaffee am Esstisch, und hinterher drehe ich das Heft meistens um, weil die Titelseite oft so peinlich ist.

Aber es geht gar nicht mal so sehr um die affigen Posen, gehen wir doch mal die Protagonisten und Motive durch, die Ihr auf Eure Titelseite gehoben habt.

Nr. 431: Scorpions

Allein diese Band wurde bereits vor 58 Jahren (als "Nameless") gegründet, Klaus Meine ist 75 Jahre alt, das jüngste Bandmitglied ist der Bassist mit 56 Jahren auf dem Buckel.

Nr. 432 fehlt im Angebot (vergriffen?), darauf ist Lars Ulrich von Metallica abgebildet, der immerhin auch schon 59 Jahre alt ist.

Nr. 433: Blackie Lawless von W.A.S.P.

67 Jahre alt, wer die beiden Totenschädel sind, die er in den Händen hält, entzieht sich meiner Kenntnis, möglicherweise ehemalige Bandmitglieder.

Nr. 434: Das Cover des Albums "Bloody Kisses" von Type O Negative

Frontmann Peter Steele ist 2010 gestorben, würde er noch leben, wäre er mittlerweile 61 Jahre alt.

Nr. 435: Alice Cooper

Genauso alt wie Klaus Meine, 75 Jahre, nur mit mehr Haaren.

Nr. 436: K.K. Downing

Der ehemalige Gitarrist von Judas Priest ist 71 Jahre alt.

Nr. 437: Doro Pesch

Frau Pesch ist von allen etwas größer abgebildeten Personen die jüngste mit 59 Jahren.

Was ich damit zeigen will:

Ich freue mich ja, dass Metal nicht so schnelllebig ist wie andere Musikgenres, und natürlich müssen auch die Wegbereiter der Szene hier und da mal gewürdigt werden. Aber wenn die Altersstruktur derjenigen, die Ihr als Szenemagazin auf Eurem Titel abbildet, die gleiche ist wie die des SED-Politbüros kurz vor dem Mauerfall, dann ist irgendwas nicht mehr in Ordnung.

Es ist ja nun nicht so, dass es im Metal keinen Nachwuchs gäbe, ich komme mit dem Entdecken neuer Bands auf Spotify kaum hinterher. Zumindest bei Eurer Titelauswahl hat man aber den Eindruck, als wäre seit 15 Jahren gar nichts mehr passiert. Ich kenne auch nicht die altersmäßige Zusammensetzung Eurer Abonnent*innen, aber ich werde (wenn alles gut geht) im nächsten Jahr 50 und bin damit immer noch 10 Jahre von den jüngsten (!) Leuten auf Eurem Hefttitel entfernt. Dagegen wirkt jeder Kleingartenverein jugendlicher.

Ich habe mit etwa 15 Jahren angefangen, härtere Musik zu hören, da waren die Musiker*innen in Eurem Magazin auch ca. zehn Jahre älter als ich. Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass das nach 30-35 Jahren immer noch so sein würde. Ich meine, man stelle sich irgendeine Fußballzeitschrift vor, und auf jedem Titelbild ist entweder Paul Breitner, Karl-Heinz Rummenigge oder Sepp Maier drauf.

Der ganze Schwerpunkt des Heftes ist mittlerweile dermaßen oldschool, dass ich mich wirklich frage, ob das noch meinen Musikgeschmack widerspiegelt.

Ich warte jetzt nochmal ein bis zwei Ausgaben ab, aber wenn das so bleibt, muss ich das Abo wahrscheinlich kündigen. Wenn ich alte Leute auf Zeitschriften sehen will, kann ich auch den "Senioren-Ratgeber" lesen, den gibt's kostenlos in der Apotheke.

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Bildergeschichten 2 - Jagen und Fischen

[caption id="" align="alignnone" width="344"]Moin "Moin"[/caption]

Das Foto ist auf dem Weg morgens zur Arbeit entstanden. Ich bin etwas früher raus, um einen Umweg durch die Innenstadt zu laufen, außerdem hatte ich mich ein wenig vorbereitet, indem ich die App "SunSeeker" verwendet habe, um herauszufinden, wann morgens die Sonne in welchem Winkel in die kleineren Gassen von Hameln scheint.

Als ich schließlich diese Sonneneinstrahlung entdeckte, die noch dazu durch Reflexionen der gegenüber (hier in meinem Rücken) liegenden Fensterfront angestrahlt wurde, blieb ich stehen und stellte mich auf das sogenannte "Fishing" ein.

Bei der Streetfotografie gibt es zwei grundlegende Vorgehensweisen. Beim "Hunting" läuft man mit stets auslösebereiter Kamera durch die Gegend und wartet auf den einen entscheidenden Moment, den besonderen Gesichtsausdruck oder die eine herausragende Szene und drückt (hoffentlich rechtzeitig) ab. Es entsteht der klassische Schnappschuss.((Eigentlich mag ich diese "Schuss"-Allegorien in der Fotografie nicht besonders. Eine Kamera ist keine Waffe. Aber manche Begriffe haben sich nunmal gefestigt.)) Diese Technik eignet sich besonders gut bei größeren Menschenansammlungen, in denen man mit der Kamera nicht besonders auffällt und wo die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwas Fotografierenswertes eintritt, allein durch die Zahl der umherlaufenden Menschen steigt.

Beim "Fishing" hingegen postiert man sich an einer besonderen Stelle, die - zum Beispiel durch markantes Licht - verspricht, einen guten Bildhintergrund abzugeben. Dort wartet man dann nur noch auf den passenden Protagonisten, der diese Szenerie durchquert - wie ein Angler, der wartet, dass etwas anbeißt. Die Fishing-Methode eignet sich einerseits gut für weniger stark frequentierte Orte, wird aber insbesondere von weniger offensiven Fotograf*innen gerne verwendet, die - wie ich - sich scheuen, einfach so fremden Menschen eine Kamera ins Gesicht zu drücken.

Nachteil dieser Methode: Wenn Menschen, die auf die Szene zukommen, die Kamera bemerken, sind viele so höflich und warten, bis man sein Foto von dieser "herausragenden Sehenswürdigkeit" gemacht hat. Dabei sind sie es ja, die das Bild eigentlich vervollständigen sollen. In der Regel kann man sie dann aber freundlich ermuntern, ruhig weiterzugehen und das Bild dann trotzdem machen.

In diesem Fall stand ich also bereit und bemerkte aus dem Augenwinkel, dass sich ein Krankenfahrstuhl näherte. Als er ins Bild rollte, begann ich, auszulösen, da rief mir der Fahrer ein lautes "MOIN!" entgegen. Ich grüßte zurück und hatte mein Foto. Ihn hat es nicht weiter bekümmert, und er fuhr unbeeindruckt die Fußgängerzone hinunter.

Am Foto musste ich kaum etwas editieren, daher verzichte ich diesmal auf das Original.

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Bildergeschichten 1 - Snap Focus

[caption id="" align="alignnone" width="267"]Scooter "Scooter"[/caption]

Das war eines der ersten Fotos, die ich mit der Ricoh GR III gemacht habe. Die GR hat ein Feature, weshalb sie für die Street Photography ((Ihr werdet es noch häufiger erleben, dass ich wechselweise "Street Photography", "Straßenfotografie" und sogar "Street Fotografie" verwende. Einen besonderen Grund hat das nicht, wobei ich Straßenfotografie eher selten benutze, weil das in meinem Kopf danach klingt, als würde jemand ein Stück Asphalt fotografieren.)) besonders geeignet ist: Snap Focus.

So ziemlich jede moderne Digitalkamera hat einen Autofokus, der in der Regel so funktioniert: Man drückt den Auslöser halb durch, dadurch stellt die Kamera auf den gewünschten Fokuspunkt scharf. Ist das erledigt, drückt man den Knopf ganz durch und macht das Foto. Allerdings dauert das Fokussieren je nach Kamera ein wenig, wenn auch mittlerweile selten länger als einen Sekundenbruchteil.

Das kann gerade für schnelle Schnappschüsse aber immer noch zu lang sein, deshalb stellen manche mit dem manuellen Fokus einen sogenannten "Zonenfokus" ein. Dabei wird - für einen größeren Schärfebereich - eine etwas kleinere Blendenöffnung gewählt und ungefähr abgeschätzt, in welcher Entfernung die Motive sich wahrscheinlich aufhalten werden. Darauf stellt man dann den manuellen Fokus ein, und erhält so einen Schärfebereich von etwas vor dem Motiv bis unendlich. Alles was sich in dem Bereich befindet, ist also ausreichend scharf.

Der Snap Focus der Ricoh-GR-Serie ist eine Mischung aus beidem. Zunächst stellt man die gewünschte Zonenfokus-Entfernung ein, zum Beispiel ca. 3.5 Meter. Dann versetzt man die Kamera in den Snap-Focus-Zustand.

Die Kamera arbeitet in normalem Autofokus-Modus, drückt man aber den Auslöser direkt bis zum Anschlag durch, stellt sich die Kamera sofort auf den voreingestellten Fokusabstand ein und löst aus, springt also von Autofokus direkt in den Zonenfokus.

So kann man spontan auf Motive reagieren, die sich schnell auf die Kamera zu oder von ihr weg bewegen.

So war es auch bei diesem E-Scooter-Fahrer, dem ich morgens auf dem Weg zur Arbeit begegnet bin. Der kam mir auf dem linksseitigen Weg entgegen, machte dann direkt vor mir einen U-Turn und fuhr direkt die Rampe herunter.

Ich drückte direkt ab und erwischte ihn in einer schön dynamischen Linksneigung.

Für Bildkomposition war da dann nicht mehr so viel Zeit - zumal ich mit der Kamera ja auch erst umgehen lernen musste - so dass das Original im Querformat aufgenommen wurde und ich es erst später ins Hochformat beschnitten habe. Dabei habe ich dann gleich noch den kleinen sichtbaren Teil einer Straßenlaterne im Hintergrund weggestempelt, weil der vom eigentlichen Motiv ablenkte.

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Bildergeschichten

Wie den meisten nicht entgangen sein dürfte, habe ich meine Blogtätigkeit zugunsten meiner Fotografien hier weitestgehend eingestellt. Aber eigentlich muss das ja gar nicht sein, dachte ich mir neulich, warum nicht beides miteinander verbinden und vielleicht ein paar Worte zur Entstehung einzelner Bilder schreiben?

Ich werde wahrscheinlich nicht jedes Foto vorstellen, so viel zu erzählen gibt es bei vielen auch gar nicht, aber möglicherweise ist manches Detail für die eine oder andere Leserin doch interessant. Und wenn nicht, habe ich meine Fotos halt einfach alle nochmal gezeigt, ist ja auch nicht schlimm.

Ich habe früher - so vor 20 Jahren - schon mal sehr viel fotografiert, meistens Motive, die nicht weglaufen: Landschaften und Architektur. Weil mir das irgendwann zu langweilig wurde und ich irgendwie zu faul war, immer weiter weg zu fahren, um neue Eindrücke zu gewinnen, schlief das ganze erstmal ein.

Als ich dann Anfang des Jahres nach Innsbruck in den Urlaub fuhr, habe ich meine Fujifilm X20 mitgenommen, die lange in der Schublade lag, aber aus irgendeinem Grund machte mir die Kamera keinen Spaß. Ich brauchte einen neuen Anreiz, stöberte eines Abends nach gebrauchten Kameras und fand eine Panasonic FZ300, die ein Fotogeschäft in Innsbruck für 200 € anbot.

Da kann man nicht viel mit falsch machen, dachte ich mir, kaufte die Kamera und war erstmal begeistert, weil sie so viel mehr konnte und schneller war als meine Fujifilm.

Im Urlaub gibt's immer was zu fotografieren, aber mir war recht bald klar, dass es dabei ja nicht bleiben konnte, also sah ich verschiedene YouTube-Videos zum Thema, bis ich schließlich bei der Street Photography (oder Straßenfotografie) hängen blieb.

Ich mochte auf Anhieb den Schwarz-Weiß-Look einiger Fotografen und fing an, mich näher mit dem Thema zu beschäftigen.

Was darf man fotografieren? (So ziemlich alles.) Was macht ein gutes Street Foto aus? (Dazu später mehr.) Wie geht man damit um, wenn man angesprochen wird? (Freundlich bleiben, im Zweifel Foto löschen.) Was für eine Kamera braucht man? (Street Fotografie geht mit jeder Kamera. Aber.)

Was ich jedoch auch schnell feststellte: Die Kamera, die ich mir gebraucht im Urlaub gekauft hatte, war nur so mittelgut für diesen Zweck geeignet. Sie war ziemlich groß, ich fiel also recht schnell zu sehr damit auf, um ungestellte Fotos auf der Straße machen zu können. Der Zoom war zwar gewaltig, aber zum einen ziemlich träge, zum anderen verleitet so ein Zoom dazu, nicht Teil des Geschehens zu werden, sondern die Dinge von außen zu betrachten - und das sieht man den Fotos leider an.

Ich bestellte also eine der Street Kameras schlechthin: Eine Ricoh GR III. Schnell, klein, hohe Auflösung, Festbrennweite, Weitwinkel. Supercool.

Damit begann meine Street Fotografie. Und wie die aussieht, zeige ich hier am Beispiel einiger Fotos in den nächsten Tagen und Wochen.

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Nicht mehr auf Twitter

Ich war auf Twitter schon lange nicht mehr besonders aktiv, meinen Account dort habe ich weitestgehend geschlossen, seitdem dieser selbstverliebte Irre den Laden übernommen hat.

Jetzt hat er den ganzen Bums auch noch umbenannt, und ich habe den Account endgültig deaktiviert. Ich verstehe nicht, wie man es da noch aushält.

Sollte euch dort also ein @larsreineke begegnen: Ich bin's nicht (mehr).

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'nen weichen Keks

ding-dong

Ich werde wach. Habe ich das gerade geträumt, oder hat es tatsächlich an der Tür geklingelt? Wie spät ist es eigentlich? 3 Uhr nachts. Mist. Hoffentlich kann ich wieder einschlafen.

ding-dong

Da klingelt ja wirklich jemand. Fuck. Die Nachbarn? Polizei? Feuerwehr? Brennt's irgendwo? Werden wir evakuiert?

Ich schalte das Licht ein, ziehe mir schnell eine Jogginghose an und gehe barfuß nach unten. Ich öffne - immer noch etwas verschlafen - die Tür.

Davor steht eine dünne, mindestens 80 Jahre alte Frau, nur mit einer Stoffhose und einer Strickjacke bekleidet und zittert.

"Ich ... ich war mit dem Hund unterwegs," erzählt sie wimmernd, "und plötzlich war der weg, ich wohne da hinten, aber da ist jetzt die Tür zu, da macht keiner auf, mein Mann auch nicht, der ist auch nicht da, ach, ich weiß auch nicht, ich hab schon nebenan geklingelt, da hat keiner aufgemacht, kann ich bei Ihnen vielleicht warten, bis es hell wird?"

Oha.

Ich bin jetzt hellwach und erfasse die Situation. Wir wohnen in unmittelbarer Nähe zu einem Seniorenheim, und wahrscheinlich ist die Frau eine entwischte Bewohnerin, etwas durcheinander und orientierungslos. Ist das schon Demenz? Keine Ahnung. Alleine kann ich die jedenfalls nicht Richtung Seniorenheim schicken, da kommt die in dem Zustand nie an.

"Na, kommen Sie erstmal rein."

Ich führe sie ins Haus, vorsichtig durch den Flur, zum Esstisch. "Setzen Sie sich mal lieber hin," sage ich und deute auf einen freien Stuhl. "Wie heißen Sie denn?" frage ich sie.

"Wessel. Wessel heiße ich. Haben Sie vielleicht ein Taschentuch? Jetzt läuft mir auch noch die Nase."

"Hier bitteschön, aber jetzt setzen Sie sich erstmal." Auf dem Stuhl daneben liegt der Kater und schläft völlig ungerührt. Ich hoffe, dass sie nicht allergisch ist oder vielleicht sogar Angst vor Katzen hat. "Wir haben zwei Katzen, ich hoffe, das macht Ihnen nichts."

"Katzen? Nein, nein, ich mag Katzen."

Mittlerweile ist auch meine Frau unten angekommen und schaut mich fragend an. Ich deute mit den Augen in die Himmelsrichtung, wo das Seniorenheim liegt und artikuliere stumm: "Von nebenan." Sie nickt und setzt sich zu Frau Wessel.

Ich gehe nach oben, ziehe mir Socken an, greife zum Telefon und suche die Nummer des Seniorenheims heraus. Nach nur einmal Klingeln geht jemand ran.

"Seniorenheim Weserblick, Schwester Melanie."

"Lars Reineke, guten Morgen. Vermissen Sie vielleicht eine Bewohnerin? Frau Wessel?"

"Frau Wessel? Ja, was ist denn mit ihr?"

"Die sitzt gerade bei uns unten am Esstisch und scheint nicht wirklich zu wissen, wo sie hingehört. Ich würde sie ja zu Ihnen bringen, aber ich habe Sorge, dass sie auf dem Weg Angst bekommt, weil sie uns ja gar nicht kennt."

"Ach Gott, Entschuldigung, ich kann jetzt hier gar nicht weg, aber ich sage sofort einer Kollegin bescheid, die kommt gleich zu Ihnen. Wo wohnen Sie denn?"

Ich gebe ihr die Adresse, ziehe mir Schuhe an, gehe wieder nach unten und nicke meiner Frau zu, die sich bereits mit Frau Wessel unterhält. "Es kommt gleich jemand und bringt Sie nach Hause," sagt sie zu ihr.

Ich gehe nach draußen und treffe an der Straße die Altenpflegerin.

"Das tut mir sehr leid," entschuldigt sie sich auf dem Weg zu uns, "Frau Wessel hat sich wohl einfach rausgeschlichen. Vielen Dank, dass Sie sich gekümmert haben."

"Naja, Sie können nichts dafür," antworte ich, "es ist ja kein Gefängnis."

"Ja, aber trotzdem, nachts um drei."

"Halb so wild," sage ich, "hier sind wir schon."

Ich öffne der Altenpflegerin die Haustür und führe sie zur Essecke, wo sich Frau Wessel und meine Frau angeregt zu unterhalten scheinen.

"Frau Wessel! Was machen Sie denn für Sachen!?"

"Och, ja, ich weiß auch nicht...," antwortet sie kleinlaut, lässt sich aber bereits von meiner Frau und der Pflegerin in die Senkrechte helfen.

Sie schaut mich an: "Was haben Sie denn für Hobbies? Rudern Sie?"

"Ich? Nein. Aber ich fahre gern Fahrrad."

"In meiner Familie wird viel gerudert."

"Ach so."

"So, Frau Wessel," unterbricht die Pflegerin, "jetzt ist aber auch mal gut. Sie können doch nicht mitten in der Nacht die Leute auf Trab halten!"

"Ach, das wollte ich wirklich nicht. Manchmal hat man einfach 'nen weichen Keks," sagt sie, während sie zur Haustür hinausgeführt wird.

Recht hat sie, denke ich.

"Kein Problem, alles halb so schlimm. Machen Sie's gut, Frau Wessel."

Wir gehen nach oben und legen uns wieder hin. Eine Weile liege ich wach, dann schlafe ich doch nochmal ein.

(Anmerkung: Das ist alles heute Nacht genau so passiert. Die Namen habe ich selbstverständlich geändert.)

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